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HARTEN ZEITEN GETROTZT
Heroldsberg. Der Schwanhäußer Industrie Konzern konnte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 / 04 bei unverändert schwierigen Rahmenbedingungen erfreulich
gut behaupten. Trotz anhaltender Konjunkturflaute in der EU, starkem Euro und starkem Wettbewerb aus Übersee war zum Bilanzstichtag (30. Juni) ein Umsatz
von rd. € 281 Mio. erzielt worden, eine dreiprozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert. Ein ebenfalls erfreuliches Ergebnis wurde beim Konzern-Jahresüberschuß
erzielt, der auf € 12 Mio. nach Steuern gesteigert werden konnte (Vorjahr: € 8 Mio.). Ursächlich dazu trugen die deutlich gestiegenen Geschäftsaktivitäten
im Ausland bei. Weltweit waren rd. 2900 Mitarbeiter/-innen beschäftigt.
NACH GUTEM WACHSTUM ZUKUNFTSSICHERUNG IM MITTELPUNKT
Schwan-STABILO Cosmetics konnte im Geschäftsjahr 2003 / 04 trotz ungünstiger Markttendenzen deutliches Umsatzwachstum verzeichnen. Im Teilkonzern stieg der Umsatz um 6 Prozent auf € 173 Mio., währungsbereinigt betrug der Anstieg fast 9 Prozent. Während das Geschäft ex Deutschland stabil blieb, konnten die Tochtergesellschaften im Ausland stark zulegen. Insbesondere die Produktionstöchter in der Tschechischen Republik und in China trugen maßgeblich zum Wachstum bei. Ebenso konnte die erst vor zwei Jahren gegründete Tochter in Brasilien auf einen sehr positiven Geschäftsverlauf zurückblicken. „Zwar stellt ein Umsatzwachstum von 6 Prozent keine rekordverdächtige Größe dar“, stellt Geschäftsführer Ulrich Griebel fest, „unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen jedoch sind wir mit damit außerordentlich zufrieden.“ Dagegen wird das laufende Geschäftsjahr 2004 / 05 als Herausforderung für Management und Mitarbeiter gesehen, denn der weltweit harte Preisdruck und die Schwäche des US-Dollars schränkt die Wettbewerbsfähigkeit der Produktion stark ein, die sich auf einen überproportional hohen Anteil deutscher Wertschöpfung stützt.
Für eine weiterhin solide und verantwortungsvolle Führung des traditionsreichen Familienunternehmens werden konsequentes Kostenmanagement und ein Ausbau der Auslandsaktivitäten als unverzichtbare Maßnahmen angesehen, um an Handlungsspielraum zu gewinnen. Mit der Inbetriebnahme eines neuen Kosmetikwerks in der Tschechischen Republik im September 2004 sowie Ausbau der Produktion in USA und China wurden bereits wichtige Schritte unternommen. HOHE INVESTITIONEN IN NEUPRODUKE AM STANDORT DEUTSCHLAND TROTZ GESCHEITERTER VERHANDLUNGEN ÜBER TARIFLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
Mit der 2002 getroffenen Entscheidung über die Errichtung des neuen Werks in Tschechien stand fest, dass bis zum Jahr 2008 eine Verlagerung der Kosmetik-Holzstiftfertigung Heroldsberg stattfinden würde. Dennoch ging das Unternehmen lange Zeit zuversichtlich davon aus, auf betriebsbedingte Kündigungen weitgehend verzichten zu können, weil einerseits mit einem Ersatz durch Neuprodukte, andererseits mit natürlicher Fluktuation gerechnet wurde. Im März 2003 wurde deshalb mit dem Betriebsrat ein Interessensausgleich über den Abbau von 200 Arbeitsplätzen abgeschlossen.
Mit dem Ausbleiben einer konjunkturellen Kehrtwende, einem weiter gefallenen US-Dollar sowie zunehmender Konkurrenz aus Fernost ist dieses Ziel heute jedoch nicht mehr erreichbar. Bereits im Frühjahr 2004 startete die Unternehmensleitung deshalb eine Initiative zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Vorrangiges Ziel war es, die Lohnstückkosten am Standort Deutschland zu senken durch Verlängerung der Wochen-Arbeitszeit auf 40 Stunden sowie eine Senkung von Zuschlägen bei Samstags-und Nachtarbeit. Im Gegenzug hatte das Unternehmen Arbeitsplatzgarantien, den Erhalt von 120 der von der Verlagerung betroffenen Arbeitsplätze sowie auch Gehalts- und Urlaubsverzicht bei Geschäftsführung und leitenden Angestellten angeboten. Trotz hoher Verhandlungsbereitschaft und großem Verständnis in der inländischen Belegschaft scheiterten diese Bemühungen am Widerstand von Betriebsrat und Gewerkschaft, so dass nunmehr Verhandlungen für einen Sozialplan über 400 Arbeitsplätze geführt werden. Von seiten der gewerkschaftlichen Verhandlungspartner wurde auf einen Vorstandsbeschluss der IG Metall verwiesen, der Verhandlungen über tarifliche Leistungen verbietet, um den Flächentarifvertrag nicht aufzuweichen – „auch wenn dies Arbeitsplätze kostet“, so die Begründung der IG Metall. Trotz dieser unerfreulichen Rahmenbedingungen hält die Geschäftsführung an den Investitionsplänen für die deutschen Standorte fest. Alleine im laufenden Geschäftsjahr 2004 / 05 werden über € 11 Mio. in Neuprodukte an deutschen Standorten investiert. „Wir sehen unverändert große Chancen für Innovationen made in Germany“ bekennt Geschäftsführer Ulrich Griebel. „Vielleicht war die Zeit noch nicht reif für eine zukunfts- und beschäftigungsorientierte Öffnung von Tarifverträgen. Wir bleiben verhandlungsbereit, weil wir weiterhin an die Stärken des Standorts Deutschland glauben“. ZUWACHS IN KERNSEGMENTEN
Trotz leicht gesunkenen Umsatzes im Teilkonzern STABILO im Geschäftsjahr 2003 / 04 auf 108 Mio. Euro (Vorjahr 110) gelang es in weitgehend stagnierenden Märkten sowohl die Marktanteile als auch die Ergebnisse deutlich zu verbessern. Neutralisiert man Währungsentwicklungen, ergibt sich ein ausgeglichener Umsatz. In den drei Kernbereichen (Textmarkieren, Schreiben und Malen) wurden in Europa erfreuliche Zuwächse von 6 – 10 % erzielt. Wichtige Erfolge, die das Unternehmen als Bestätigung zum eindeutigen Bekenntnis zur Markenstrategie, einer effizienten Marktbearbeitung, der intensivierten Zusammenarbeit zwischen Europäischem Key Account Management und Auslandstöchtern sowie profitabler Verbindung von Altem und Neuem wertet. Im seit Jahrzehnten erfolgreichen Geschäftsfeld Textmarkieren gelang es dem Unternehmen erneut, seine Marktführerschaft in Europa zu verteidigen. Auch hier spielte ein gelungener Mix aus Alt und Neu eine wichtige Rolle, limitierte Editionen wecken die Aufmerksamkeit Jugendlicher und schaffen neue Kaufimpulse im Handel. Die größte Steigerung innerhalb der Produktbereiche verzeichnete das Segment Malen.
Wie aktuelle Marktforschungsergebnisse in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erneut bestätigten, suchen STABILO-Kunden ungewöhnliche, neue Produktformen, große Farbenvielfalt und eine europäische Qualitätsanmutung. Stand: Januar 2005 |